Innenpolitik im Visier
Interessieren Sie sich für Inlandspolitik? Dann werden Sie verfolgt haben, wie sich die politische Berichterstattung über die Inlandspolitik mehr und mehr in den persönlichen Bereich verlagert hat. Hat die wachsende Transparenz der Politiker als Personen, befeuert durch jedermann via Internet zugängliche Informationen, eine Lawine losgetreten?
Den Anfang scheinen die Plagiatsaffären Politiker unterschiedlicher Machtebenen gemacht zu haben. Anlässlich nicht lupenreiner Doktorarbeiten stellte sich irgendwann die Frage nach der persönlichen Integrität der betroffenen Amtsinhaber. Inzwischen wird die Frage nach persönlichen Fähigkeiten auch denen gestellt, die sich im Laufe ihres universitären Lebens nichts haben zu Schulden kommen lassen. Jemand scheint einen Stein auf einen Frosch in einem Teich geworfen zu haben. Seither bekommen in der Inlandspolitik auch jene die Wellen zu spüren, die weder Frösche sind, noch eine “Affäre” in ihrem Lebenslauf stehen haben. Bis zur Kanzlerin hinauf können sich Bürger darüber informieren, ob es diesem oder jenen Politiker etwa an Ausstrahlung, Durchsetzungsvermögen, Manieren oder Geradlinigkeit mangelt.
Zugegeben, Inlandspolitik ist nicht immer spannend. Spannung benötigen aber die Medien, damit sie wahrgenommen werden. Schlechte Nachrichten sind im Verständnis der Medien gute Nachrichten, paradox aber wahr. Besonders der Deutsche, der zu gern ein Haar in der Suppe sucht, kauft vielleicht keine Zeitung, in der steht, dass eine gute Inlandspolitik dazu geführt hat, dass wir in Deutschland einen der besten Lebensstandards, wenn nicht sogar den besten, in Europa genießen.
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